Quelle: Instagram @mayoanj
In(k)spiration

Hand Poked Tattoos

Back to the roots!

Du hast schon so viele Tattoos oder du willst einfach etwas Neues ausprobieren? Dann könnten vielleicht Hand Poked Tattoos genau das Richtige für dich sein.

Denn was Pharaonen, die Maori oder Rihanna miteinander verbindet, sind diese von Hand gestochenen Tattoos. Zudem liegst du mit Hand Poked Tattoos, auch „Stick and Poke“ genannt, heute absolut im Trend. Ebenso sprießen die Handpoking Artists aus dem Boden, hier ist aber absolute Vorsicht bei der Auswahl geboten.

Die schon vor ca. siebentausend Jahren praktizierten Hand Poked Tattoos erweisen sich als die wohl älteste Tattoo Technik, die es gibt. Damals von den Maori praktiziert, sind die von Hand gestochenen Tattoos derzeit so beliebt wie noch nie. Nach dem Motto „Back to the roots“ hat sich an der Methode bis heute nichts geändert. Allerdings werden heute keine spitzen Knochen, Zähne oder Stacheln von Pflanzen, wie bei den indigenen Naturvölkern genutzt, die vor allem die Stile Tribal (Link) und Blackwork (Link) prägten. 

Die Technik

Ein Tätowierer praktiziert das Handpoking
Quelle: Instagram @moonstonetombstone

Genau wie früher entstehen Hand Poked Tattoos Punkt für Punkt, da gänzlich auf eine Tattoo Maschine verzichtet wird. Das Werkzeug beschränkt sich auf eine Nadel, die an einen Griff, meistens ein Holzstück wie beispielweise ein Holzmundspatel, befestigt wird. Die Nadel wird wesentlich langsamer in die Haut gestochen, weshalb das Rausziehen ebenfalls spürbar ist. Zum Vergleich: Eine Tattoo Maschine sticht 70 bis 150 Mal pro Sekunde. So ist der Zeitaufwand wesentlich höher und auch kleine Motive können schon mal einige Stunden dauern.  
 
Die Nadel wird in Tattoo Farbe getaucht und punktiert in die Haut gestochen, sodass aus Punkten Linien entstehen. Allerdings sind Hand Poked Tattoos nicht so deckend wie maschinell gestochene. Deshalb reicht normalerweise die erste Punktschicht nicht aus, um eine hinreichend dunkle Linie zu stechen. So muss der Künstler oftmals mehrmals die Konturen stechen, um die Linien komplett auszufüllen. Außerdem sorgt die Wahl der Tattoo Farbe für weitreichende Unterschiede. Grundsätzlich eignen sich dickflüssige Tattoo Farben am besten für diese Technik des Tätowierens.

Merkmale

Kleine, freistehende Motive mit einfachen Outlines werden am häufigsten mit dieser Technik gestochen. Die Optik der Hand Poked Tattoos ist einzigartig. Diese wirken natürlich, organisch und filigran. Ein Kenner sieht den Unterschied zu maschinell gestochenen Tattoos auf den ersten Blick.  
 
Die Hand Poked Tattoos sind generell für jeden Hauttyp geeignet und es kann in jeder beliebigen Farbe gestochen werden. Es wird wegen der Einfachheit aber reines Schwarz präferiert. Flächige Tattoos sind möglich, aber seltener. Bunte Tattoos werden wegen dem Aufwand eher nicht gestochen. Zudem machen die Custom Designed Tattoos den „Flashes“ Platz, also vorgefertigte Motive, die der Tätowierer selbst gerne stechen möchte. Als Cover-up sind Stick and Poke Tattoos möglich, aber äußerst selten. 
 
Wie bei allen Tattoos, solltest du bei der Suche nach dem richtigen Tätowierer ausführlich recherchieren und dir jemanden suchen, der weiß, was er tut. Dein oberstes Kriterium sollte hier ebenfalls die Hygiene sein.

Hand Poked Tattoo als Smiley auf der Brust
Quelle: Instagram @a_tua_madre_non

Kleines Handpoked Tattoo

Hand Poked Tattoo als Lettering
Quelle: Instagram @a_tua_madre_non

Lettering Tattoo

Weniger Schmerzen?

Du fragst dich, welche Art der Tätowierungen schmerzvoller ist? Das Hand Poked oder maschinell gestochene Tattoos? Das lässt sich leider nicht pauschal sagen, denn es kommt vor allem auf die gewählte Körperstelle und dein persönliches Schmerzempfinden an. Da allein die Stiche unterschiedlich gestochen werden, können hier schon Unterschiede auftauchen, ob man sie mehr oder weniger spürt. Trotzdem werden Hand Poked Tattoos überwiegend als weniger schmerzvoll erachtet, da nur ein Nadelkopf in die Haut eindringt.  
 
Allgemein ist das üblicherweise Gefühl des Brennens aber begrenzt und wird normalerweise nur wahrgenommen, wenn die Nadel tatsächlich in der Haut ist. So wird selbst das Schattieren als hautschonender betrachtet. Dies trägt alles dazu bei, dass auch deine Haut mit dieser Technik schneller abheilt. 

Hand Poking Werkzeug wird in der Hand gehalten
Quelle: Instagram @eye_of_era

Das Hand Poking Material

Die Nadeln des Handpoking
Quelle: Instagram @eye_of_era

Die Nadeln

Der selbstgemachte Beigeschmack

Durch die gestiegene Beliebtheit von Tattoo-Maschinen wurden Hand Poked Tattoos oftmals als selbstgemacht abgestempelt und mit ihnen eine schlechtere Qualität assoziiert. Den „selbstgemachten“ Charakter haben sie, weil sie tatsächlich häufig von Laien gestochen werden oder man sich mit dieser Methode auch mal selbst tätowiert. Schließlich ist der Materialaufwand begrenzt und die Idee scheint verlockend. Trotzdem bleibt die Wahrscheinlichkeit für eine Hautinfektion höher, wenn du dir ein Tattoo zu Hause stechen solltest, als wenn du ein professionelles Studio aufsuchst.  
 
Dass mit Hand Poking aber auch sehr präzises Arbeiten möglich ist und sehr detailreiche Tattoos gestochen werden können, beweisen die Profis. Gerade, weil Hand Poked Tattoos in der Regel schneller verblassen, solltest du den Rat deines Tätowierers annehmen und dein Tattoo nach dem Stechen ausreichend pflegen.

Und was jetzt?

Gefangen in dem Unwissen, ob die Materialien steril sind, und der Tatsache, dass Hand Poking oft von Laien praktiziert wird, musst du selbst abwägen, ob dir das deine Haut wert ist. Suche dir lieber einen erfahrenen Künstler im Bereich Handpoking, und schon bist du auf der sicheren Seite. Schließlich sind Hand Poked Tattoos im Vergleich zu anderen auch preiswerter. 
 
Mit Hand Poking können eigene Kunstwerke erschaffen werden, die die individuelle Handschrift des Tätowierers voll zum Ausdruck bringt. Obwohl die Sessions leiser und ruhiger ablaufen, da keine Geräusche von einer Maschine ausgehen, gehört für mich persönlich der Sound einer professionellen Tattoo Maschine einfach dazu.

Deiner Haut zuliebe.

Falls du jetzt höchst motiviert sein solltest und gegen die Konventionen rebellieren willst, bitte du es nicht! Auch wenn sich zahlreiche „Do it yourself“-Anleitungen, Videos und Sets im Internet tummeln, bitte lass die Finger von günstigen Tattoo Kits und spontanen Selbstversuchen. Deiner Haut zuliebe. 

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