Die Geschichte der japanischen Tattoos
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Die Geschichte der japanischen Tattoos

In unserem Blogpost "Tattoos in Japan" haben wir das Thema zur heutigen Situation bezüglich der Akzeptanz von Tätowierungen in Japan genauer erläutert. Dabei wurde ebenfalls die dahinterstehende Geschichte angeschnitten, die wir heute tiefer behandeln möchten. Wir wollen verstehen wie es dazu kam, dass Tattoos so geächtet wurden und auch heute noch nicht viel Ansehen innerhalb des Landes der aufgehenden Sonne genießen dürfen. 

Jomon- Zeitalter (7.500 – 300 v. Chr.)

Ladengeschäft in Japan

Die Forschungen beginnen mit Aufzeichnungen und Funden aus der Jomon-Zeit (7.500 – 300 v. Chr.) Hier wurden ebenfalls kleine und einfache Tätowierungen, ähnlich wie bei Ötzi in Bereichen der Akupunktur gefunden und lassen Wissenschaftler vermuten, dass Tätowierungen zu dieser Zeit ebenfalls einem medizinischen oder einem spirituellen Zweck dienten. Allerdings können Wissenschaftler sich leider nur auf diese Vermutung beziehen, da nur wenige Aufzeichnungen aus dieser Zeit existieren und kein genaues Bild bezüglich der gesellschaftlichen Bedeutung rekonstruiert werden konnte. Erst Aufzeichnungen aus dem Jahre 300 v. Chr. brachten Licht ins Dunkel und halfen den Forschern die japanische Tattoo Kultur innerhalb des Zeitalters besser zu verstehen. Die gefundenen Dokumente stammen von chinesischen Besuchern in Japan und berichten, dass Tattoos dort dem Statussymbol galten und auch eine religiöse Bedeutung innerhalb der Kultur hatten. Ein Beweis das Tattoos gesellschaftliche Anerkennung genossen. Jedoch kann man aufgrund der mangelnden Beweise nicht genau sagen wann die Wende bezüglich genauer Symbolik stattfand.

Nara- Zeitalter (710 – 794 n. Chr.)

 Nara- Zeitalter

Das Image der ewigen Kunst änderte sich über die Jahrhunderte jedoch mehrfach. Wo sie einst ein Symbol für Wohlstand und Reichtum waren, so nahmen sie doch schnell ein schlechtes Image an. Nach ein paar Jahren, wo die Kunst des Tätowierens ein hohes Ansehen genossen hatte, wurden Kriminelle und Abtrünnige auf diese Weise gekennzeichnet. Dokumenten zu Folge ist dies dem Kaiser zu verdanken, der 720 n. Chr. über das Land herrschte. Er entschied die Todesstrafe größtenteils abzuschaffen und traf „Gnade waltenden Entscheidungen“, die das Benutzen von Tätowierungen als Strafe aufzeichneten. Dieses Vermächtnis wurde viele Jahre über Generationen hinweg weitergegeben und prägte viele Jahrhunderte. 

Edo-Zeitalter (1603 – 1868)

Nach vielen Jahren der blutigen Einigung Japans begann die friedliche Edo-Zeit. Zu dieser Zeit wurde das heutige Tokyo, früher Edo, zur Hauptstadt ernannt und entnahm dem damaligen Kaiser, dessen Sitz noch in Kyoto war größtenteils die Macht. Der Krieg war zu Ende und die Bürger konzentrierten sich endlich auf die Wirtschaftliche Entwicklung ihres Landes, was sogar Edo, anfänglich eine kleine Hafenstadt zur prächtigen Hauptstadt heranwachsen ließ. Mit der Entwicklung kam auch der erneute Aufschwung innerhalb der Tattoo Kultur. Aufgrund der Veränderungen innerhalb der Kultur und auch der Kunst, gewannen Tattoos immer mehr an gesellschaftlichem Interesse. Dies lag hauptsächlich an den beliebten und zu der Zeit revolutionären Holzschnitten des Zeitalters (ukiyo-e, „Bilder der fließenden Zeit“). Sie waren die damaligen Illustrationen in Büchern und wurden in Vielzahl hergestellt, was einfachen Bürgern ebenfalls ermöglichte sich ein solches Buch zu kaufen. Dieses Medium und der Protagonist aus dem Roman „Suikoden“, der großflächig tätowiert war, waren Grund dafür, das Tattoos wieder Anerkennung fanden. Dies erschuf das Fundament des heutigen japanischen Tattoo Stils und wurde sogar zur Mode unter den Bürgern der Stadt. Ein ganzes Zeitalter genossen Tätowierungen ein weit verbreitetes Ansehen. 

Japanische Flagge am Ufer
Nach dem Krieg
Nach dem Krieg
Die Hauptstadt Tokyo
Die Hauptstadt Tokyo
Die Hauptstadt Tokyo

Meiji- Zeitalter (1868 – 1912)

Für eine kurze Zeit wurden Tätowierungen wieder verboten. Mit der Öffnung des Handels hatte die japanische Regierung Angst das die ewige Kunst auf Abstoßung von außen trifft. Dennoch hielten sich Kriminelle, wie auch die „Yakuza“ nicht an die Regelung, was die Aufmerksamkeit von Ausländern auf sich zog. Entgegen dieser Erwartungen wurden die Tattoos bestaunt und Einreisende erkannten schnell ihre Ästhetik. Die Einreisenden trugen diese weiter über die Grenzen Japans. Westliche Tätowierer kopierten den Stil der Japaner und kombinierten Ihn mit Ihren eigenen Stilrichtungen, die auch an japanische Tätowierer weitergegeben wurden. Der heutige Tattoo Stil aus Japan war geschaffen. 

Showa- Zeitalter (1926 – 1989)

Nachdem Tattoos im Jahre 1948 wieder legalisiert worden sind trug der trügerische Schein, aus der Meiji- Zeit seine Früchte und wurde automatisch mit Kriminalität und den „Yakuza“ assoziiert. Die „Yakuza“ sind in anderen Worten die japanische Mafia, dessen Geschichte viele Jahrhunderte zurückreicht (etwa 1600). Sie agieren innerhalb der sich rivalisierenden Gruppen und stammen ursprünglich von den „Bakuto“, den Glücksspielsyndikaten der Edo- Zeit ab. Da „Yakuza“ als Zeichen der Zugehörigkeit großflächige Tattoos trugen, wuchs erneut die Ächtung gegenüber den einst revolutionären Tätowierungen. 

Japanese Tattoo Sleeve
Quelle: Instagram @caiopineiro
Japanese Tattoo Sleeve
Japanese Tattoos
Quelle: Instagram @caiopineiro
Japanese Tattoos

Heute

Aufgrund der Angst vor kriminellen Elementen erholt sich der Ruf der Tattoos nur langsam und wird noch einige Jahre brauchen bis sie wieder einen richtigen Aufschwung erleben. Allerdings hoffen wir das mit den Olympischen Spielen eine große Wende anbricht und die Faszination innerhalb des schönen Landes wieder zunimmt. 

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